Die Angst vor dem Blühen

Als mir dieses Zitat vor vielen Jahren zum ersten Mal begegnet ist, war das wie ein Echo, wie eine Einladung einmal genauer hinzuschauen. Schon sehr lange hatte ich das Gefühl, wie in Watte gepackt und nicht richtig präsent zu sein. Ich funktionierte in meinem Alltag, doch fehlten mir meine Leichtigkeit und meine Lebendigkeit. Leben fühlte sich einfach furchtbar anstrengend an und ich habe mich gefragt, warum es mir so schwerfällt „zu blühen“ und in all meinen Farben zu strahlen.

Über die Metapher habe ich angefangen, mich mit meinen frühen Prägungen und Glaubenssätzen auseinanderzusetzen. Es stellt sich heraus, dass ich einerseits den Schmerz fühlte, zu wenig zu sein, wenn ich in meiner Knospe – oder anders ausgedrückt in meiner Komfortzone – verharren würde. Hier war zwar die vermeintliche Sicherheit des Bekannten und der Nicht-Sichtbarkeit, doch gleichzeitig zeigten sich auch die Enge und die Stagnation, die in meiner fehlenden Lebendigkeit ihren Ausdruck fanden.

Andererseits hatte ich eine riesige Angst davor, diese Komfortzone zu verlassen und mich zu zeigen. Mein Wachstum zuzulassen hätte bedeutet, mich den Blicken, der Bewertungen und der Kritik anderer Menschen auszusetzen – für mich zu dieser Zeit das Gegenteil von Sicherheit. Ich hatte keine Ahnung, wie ich dieses Knäuel auflösen sollte.

Ein absolut leuchtender Moment war es für mich, als ich begonnen habe, mich mit der Funktionsweise meines autonomen Nervensystems zu beschäftigen. Plötzlich habe ich verstanden, dass das Verharren in der Komfortzone nicht auf meinem persönlichen Versagen oder gar Lethargie und Faulheit beruht, sondern eine wirklich schlaue und von meinem Körper zutiefst wohlmeinende Strategie war, für meine Sicherheit zu sorgen. Solange ich gut in der Knospe versteckt war, konnte mir nichts passieren.

Insbesondere durch unsere sehr frühen Bindungs- und Entwicklungserfahrungen lernen unsere Systeme, mit welchen Personen und in welchen Situationen wir uns in Sicherheit bewegen und wann es notwendig wird, Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Dabei ist es wichtig zu verstehen, dass wir als unfertige, allein nicht überlebensfähige Menschenkinder auf die Versorgung durch und die Verbindung zu unseren nächsten Bezugspersonen angewiesen sind. Daher kann es für uns existenziell sein, uns auch an weniger positive oder gar destruktive Muster anzupassen, um unser Überleben zu gewährleisten. So kann Unsichtbarkeit für unser Nervensystem gleichbeutend werden mit dem Gefühl in Sicherheit zu sein.

Der Versuch, mit dieser frühen Prägung, die zum Beispiel durch emotional abwesende Bezugspersonen entstanden sein kann, in die Sichtbarkeit zu gehen, Grenzen zu setzen und für unsere Bedürfnisse einzustehen kann unseren Körper im Gegenzug in permanente Alarmbereitschaft und Angst versetzen. Die Folge ist ein dysreguliertes Nervensystem, welches unsere evolutionär eingespeicherten Programme von Kampf, Flucht oder Erstarren zu unserem Besten ablaufen lässt, wir uns aber damit alles andere als gut und lebendig fühlen.

Wie können wir es nun trotzdem schaffen, die schützende Knospe zu verlassen und zur schönsten Blüte unseres Lebens zu werden? Hier möchte ich dir gern die traumasensible Begleitung als möglichen Lösungsweg ans Herz legen. Wenn du dich nun fragst, wieso eigentlich traumasensibel, lass mich kurz auf den Begriff Trauma eingehen, der viel verwendet wird und den du vielleicht in deinen eigenen Erklärungswortschatz gar nicht einbeziehen würdest.

Am häufigsten verbinden wir damit Schocktraumata. Das sind einzelne, für sich stehende Ereignisse, die so intensiv, gewaltvoll oder grausam sind, dass sie unsere Verarbeitungs- und Bewältigungsstrategien überfordern und wir unser Leben in Gefahr sehen. Dazu gehören Kriegs- und Fluchterfahrungen, Naturkatastrophen, schwere Unfälle, Gewalttaten oder plötzliche Verluste, die wir selbst erleben oder bezeugen.

Viel seltener bringen wir mit dem Begriff sogenannte Bindungs- und Entwicklungsverletzungen in Zusammenhang, bei denen die Überforderung unseres Nervensystems kontinuierlich und über einen langen Zeitraum geschieht. Die Gründe dafür können vielfältig sein und schließen unter anderem emotionale und physische Vernachlässigung, unberechenbares Verhalten oder Grenzverletzungen durch unsere engsten Bezugspersonen, psychische Erkrankungen oder Sucht der Eltern sowie frühe Verlust- und Trennungserfahrungen ein.

Das Erleben von Trauma ist individuell und beide Formen von Traumatisierung können grundsätzlich denselben biologischen Alarmzustand hervorrufen, der aufgrund der Überforderung unserer Verarbeitungs- und Bewältigungsstrategien entsteht. Alle diese aus der Balance geratenen Nervensysteme können somit von einer traumasensiblen Begleitung profitieren.

Doch wie sieht meine traumasensible Begleitung nun konkret aus?

Zunächst einmal Safety first! Damit sich dein Nervensystem entspannen kann, um alte Muster zu verändern und dir nicht mehr dienliche Glaubenssätze loszulassen, schaffen wir einen verlässlichen, ruhigen und bewertungsfreien Raum, in dem du dich sicher fühlen kannst. Über Co-Regulation stimmen wir uns aufeinander ein und schauen uns deine Themen an. Du hast jederzeit die Kontrolle über deinen Prozess und entscheidest, worüber wir sprechen und in welchem Tempo wir uns durch deinen Garten bewegen. Dabei hören wir konsequent auf die Signale deines Nervensystems und nutzen sanfte Regulationsübungen, um dich vom Kopf in den Körper zu bringen.

Langsam lernst du, deine bisherigen Muster nicht als Schwäche, sondern als schlaue Überlebensstrategien wertzuschätzen und eine neue Sicherheit im Hier und Jetzt zu empfinden. Wir arbeiten mit deinen inneren und äußeren Ressourcen, um dir ein stabiles Fundament zu bauen, auf dem dein Nervensystem nachhaltig loslassen kann, damit wieder Raum für Leichtigkeit und Lebensfreude entsteht.

Gut zu wissen: Meine traumasensible Begleitung ersetzt keine psychotherapeutische Traumabehandlung. Wir tauchen nicht tief in die Aufarbeitung deiner vergangenen Traumata, sondern konzentrieren uns darauf, dir im Alltag wieder Stabilität, Energie, Kreativität und Lebendigkeit zu geben.

Vielleicht hast du dich hier an der einen oder anderen Stelle wiedererkannt. Dann möchte ich dir gern zwei Dinge mit auf den Weg geben. Zum einen, du bist mit diesen Empfindungen nicht allein. Wir sind viele und gemeinsam können wir uns unterstützen wieder mehr Leben im Leben zu spüren. Zum anderen, dein Nervensystem ist deine beste Freundin, der viel daran liegt, dass es dir gut geht und du dich sicher fühlst. Darüber hinaus ist sie jederzeit bereit, dazuzulernen und sich auf deine Bedürfnisse einzustellen.

Wenn du nun auch dieses Echo spürst und den Wunsch, einmal genauer hinzuschauen, dann biete ich dir gern meine Begleitung an und lade dich zu einem Bauchgefühl-Gespräch ein. So können wir gemeinsam schauen, ob die Energie stimmt und unsere Nervensysteme sich gut miteinander entspannen können.


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Über die Autorin

Jeannette

Ich bin gern draußen, genieße die klare Luft - am liebsten im Herbst und bin immer wieder fasziniert von den unendlichen Weiten und der Ruhe, die Mutter Natur uns in vielen Teilen der Erde geschenkt hat. Ich bin auf dem Weg zu innerer Zufriedenheit, unerschöpflicher Lebensfreude und bedingungsloser Liebe und möchte gern auch dich auf diesem Weg begleiten.

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